Diozöse Borgå

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Finnland hat neun Diozösen. Eine davon, die Diozöse Borgå, ist schwedischsprachig. Dies ist ziemlich einzigartig unter verschiedenen Kirchen und zeigt deutlich, wie innerhalb einer Kirche die Problematik der sprachlichen Minderheiten behandelt werden kann. Die Diozöse wurde am 1.12.1923 gegründet.

Schwedischsprachige Mehrheit

Zur Diozöse gehören all die Gemeinden in Finnland, die schwedischsprachig oder zweisprachig mit einer schwedischsprachigen Gemeindegliedsmehrheit sind. Weiterhin gehören auch die Olaus Petri Gemeinde  und die Deutsche Gemeinde in Finnland  als Finnlands einzige überregionale Gemeinde (also keine Ortsgemeinde) dazu. Insgesamt gehören der Diozöse 56 Gemeinden an.

Österbotten, Südfinnland und die Åland-Inseln

Die Gemeinden der Diozöse Borgå liegen also nicht, wie die anderen Diozösen in Finnland, geografisch begrenzt nur in einer Region. Alle schwedischsprachigen Gemeinden der Österbotten-Region an der Westküste Finnlands, in Südfinnland und auf den Åland-Inseln der Diozöse angehören. Weiterhin gehört auch die schwedische Gemeinde in Tampere/Tammerfors der Diozöse an. In den gleichen Gebieten gibt es auch finnische Gemeinden, diese gehören aber zu anderen, finnisch sprachigen Diozösen. Besonders in grösseren Städten ist es üblich, dass die Gemeinden sprachlich getrennt sind. In allen Regionen, bei denen die Gemeinden sprachlich getrennt sind, musste jedoch ein Gemeindeverband gegründet worden. Die meisten Gemeindeverbände in Finnland haben eine finnischsprachige Mehrheit. Die Gemeinde-verbände gehören der Diozöse zu dessen sprachliche die Mehrheit gehört, an.

Die kleinen Gemeinden

Die Diozöse ist so aufgebaut, wie die anderen in Finnland, die Gemeinden sind nur sehr viel kleiner. Viele dieser wirklich kleinen Gemeinden liegen in den Ostsee-Schären, auf den Åland-Inseln. Die zusammengerechnete Gemeindemitgliedszahl beträgt 250 000 Mitglieder. Somit ist sie die kleinste Diozöse in Finnland.

Der Bischof und das Domkapitel

Der Bischofssitz und das Domkapitel der Diozöse Borgå befinden sich in der Stadt Porvoo/Borgå aus historischen Gründen: als der finnische Reichstag beschlossen sollte, wo der Sitz liegen sollte, haben die Bewohner der Stadt versprochen ein Bischofshaus zu erbauen. Das Haus wurde im Jahr 1927 fertig. Es ist im Eigentum der Stadt Porvoo/Borgå und von der Kirche als Wohnsitz des Bischofs gemietet.  

 

Das Domkapitelhaus

Das Domkapitelhaus hat eine für finnische Verhältnisse lange Geschichte

Im Jahr 1723 wurde Borgå eine Diozöse-Stadt und somit auch eine Gymnasiumsstadt. Für das Gymnasium wurde 1728 auf den jetzigen Ort des Domkapitelshauses ein Gebäude aus Holz gebaut.

Höstbilder, domkapitlet, stor epostDas Haus wurde jedoch nicht gut genug gebaut und konnte schon im Jahre 1749 nicht mehr angewendet werden. Ausserdem  wurde es als viel zu klein empfunden. Im Jahr 1753 wurde in Finnland eine Verordnung zum Bauen von Steinhäusern im Reicher stellt. Bis dahin durften in Städten nur Holzhäuser erbaut werden. Das Steinhaus war somit das erste in seiner Art in Borgå. Der Dom zu Borgå aus grauem Granit besteht seit dem 15. Jahrhundert.

Nationalsehenswürdigkeit mit verschiedenen Funktionen

Das Domkapitelhaus ist seit vielen Jahren eine wichtige Sehenswürdigkeit in Finnland. Das Gebäude hat in der Finnischen Geschichte eine wichtige Rolle gespielt: Die ersten 30 Jahre wurde das Gebäude als Gymnasium und als Sitz des Konsistoriums angewendet. Im Jahr 1789 bestimmte König Gustav III von Schweden, dass das Gebäude als Militärkrankenhaus schwedischer Soldaten umfunktioniert werden sollte. Während des Finnischen Krieges 1808-1809 befand sich dort das russische Militärkrankenhaus. Im Jahr 1813 war die Krankenstation der deutschen Soldaten, die in der Gegend stationiert waren, im Haus untergebracht. Geschichtlich gesehen ist jedoch bedeutender, dass  im Jahr 1809 der Borgå Landtag im Gebäude tagte und Zar Alexander I von Russland den Grundstein für ein autonomes Finnland legte.

Im Jahr 1815 wurde für das Gymnasium ein neues, grösseres Gebäude erbaut. Zwischen den Jahren 1845 und 1871 war im Haus die höhere Elementarschule im Haus.  

Trotz der Renovierungen und Reparaturen, die  in den Jahren 1871, 1955 und 2005 durchgeführt wurden, ist der Originalbaustil des Gebäudes im Klassizismus erhalten worden. Mit Ausnahme von den Jahren in denen das Gebäude als Militärkrankenhaus oder als höhere Elementarschule diente, befindet sich noch heute der Sitz des Domkapitels dort.

 

 

 




 

 



 

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